Einschlafen vermeiden; Marketenderware erwerben; neuentdeckte Körperregionen beim Duschen – von Hans-Werner Niesen

Als Gruppen- und später Zugführer hatte ich des Öfteren die Gelegenheit dem „Einsegnungsunterricht“ unseres Kompaniefeldwebels, Hauptfeldwebel Czapalla, beiwohnen zu dürfen. Er war während meiner gesamten Dienstzeit in der 20. mein Kompaniefeldwebel. In dem Unterricht wurden den anwesenden Rekruten „die Formen des Zusammenlebens in einer Gemeinschaft und die militärischen Feinheiten mit deren erforderlichen Umgangsformen vermittelt 😊“. Er dauerte über mehrere Unterrichtseinheiten in einem Zuge an.

Der Unterricht fand grundsätzlich in den ersten Tagen des neuen Ausbildungsquartals im Kompaniehörsaal des Lehrsaalgebäudes statt.
Sämtliche Rekruten aller Züge waren in diesem Unterricht anwesend. Bei Anfangs vier Zügen, später drei Zügen, lag die Teilnehmeranzahl regelmäßig bei über 100 Rekruten in diesem einen Raum. Entsprechend hoch war der Sauerstoffverbrauch. Das führte dazu, auch wenn auch der Unterricht „äußert spannend 😉“ war, dass eine nicht unerhebliche Anzahl der Teilnehmer sukzessive wegdämmerte und in einem Nickerchen entspannte. Die Anzahl der „Schläfer“ erhöhte sich dann immens, wenn der Unterricht an einem Nachmittag nach dem fülligen Mahl aus der Kantinenkost stattfand.

Die Anzahl der der Hinweggedämmerten wurde bis zu einer bestimmten Höhe geduldet, dann war die Toleranzschwelle unseres Spießes überschritten.

In der gleichen monotonen Tonlage, in der er den Unterricht gestaltete, gab er den anwesenden Rekruten folgende Anweisung: “Alle Anwesenden, die mich jetzt hören, bleiben bei dem nun folgenden Befehl sitzen“. Anschließend erfolgte mit schriller lauter Stimme das Kommando:“ Alles auf!!!“. Dieses Kommando erfolgte in der Regel, wenn ein Vorgesetzter den Raum betrat. Diese Verhaltensweise war den Rekruten schon zuvor durch ihr Ausbildungspersonal vermittelt worden.

Was war die Folge: Alle Teilnehmer, die ihren Schlaf auskosteten, schossen anweisungsgemäß in die Höhe, der Anteil der „wachsamen“ Teilnehmer blieb laut des Befehls unseres Spießes sitzen.

Nach einer tiefgehenden Belehrung (BW-sprachlich: Anschiss) erklärte unser Spieß dann süffisant, dass die „Stehenden“ für eine unbestimmte Zeit auch weiter stehen bleiben durften, um ein nochmaliges Einschlafen zu verhindern.

Zum Ende des Unterrichts machte unser Spieß dann auf diverse Marketenderwaren, wie Truppenausweishüllen, Teleskopkugelschreiber, Pullover mit „German Airforce“ Beflockung, Bierkrüge mit Wappen der 20. aufmerksam, die er rein zufällig in seinem Fundus hatte und die bei ihm im Geschäftszimmer in der Folge zu einem angemessenen Preis erworben werden konnten. Ein Zwang zum Kauf bestände laut seiner Aussage nicht, aber eine sinnvolle und schöne Anschaffung wäre es denn doch 😉.

Zusatz oder Schmankerl am Ende:

Soweit ich mich erinnern kann, gab auch ein Soldat der San-Staffel Hinweise in Bezug auf das Verhalten im Krankheitsfall sowie Erklärungen zur Körperpflege in einer Gemeinschaft. Unvergessen war dabei für mich immer der Hinweis, dass zu den zu reinigenden Körperregionen auch der Körperteil nach dem Zurückziehen der männlichen Vorhaut am Glied gehört, um die Bildung diverser Rückstände im lichtlosen Raum und ggfs. eine operative Entfernung zu vermeiden.

Diese Erklärungen führten im Allgemeinen zu einer hohen Belustigung, bei einigen Teilnehmern konnte man an dem Ausdruck im Gesicht vermuten, dass hier „Neuland“ erklärt worden war frown.