Du kommst hier nicht rein – von Martin Sonn
Auch ein Kommandeur braucht einen Ausweis…
3. Quartal 1975, es regnete in Strömen.
Der 1. Zug wurde zur Sicherung des Bunkers eingeteilt, ein Unteroffizier mit 4 Mann am Eingang Kontrollwachhaus am Bunker, Fw. Reitenberger und Hptm. Raabe im Bunker (Kantine). Der Rest des Zuges in Kampfständen oder Patrouillen sowie 4 Mann und ich am Wachgebäude Tor Bunker. Hatte fast den ganzen Zug unter Kommando.
So um die 8:00 Uhr morgens fährt ein Bus vor, Ablösung des Bunkerpersonals. Alles sollte durch die kleine Tür einzeln mit Ausweis eintreten. Zuerst steigen zwei hohe Tiere aus, beide Oberstleutnante. Das zivile Wachpersonal sagte mir, Achtung, dies ist Oberstleutnant Franckenberg, der gern seinen Ausweis nicht vorzeigen will und anschließend gern den lauten macht, wenn man ihn so einlässt..
Ausweiskontrolle negativ, hatte seinen Ausweis in der Kaserne gelassen, also rechts ran und die nächsten. Der zweite Oberstleutnant wies sich aus, er sei der stellvertretender Kasernenkommandant und der Kollege vor ihm der Kasernenkommandant Franckenberg, er verbürgt sich für ihn..
Meine Antwort: Ich kenne Sie beide nicht und kann keinen ohne Ausweislegitimierung hereinlassen. Im Bunker befindet sich Hauptmann Raabe , dessen Befehl zum Einlassen ich nach persönlichem Augenschein des Oberstleutnant Franckenberg durch ihn akzeptiere. Der stellvertr. Kommandant maulte noch etwas rum, doch ich bat ihn weiterzugehen, das übrige Personal wird platsche nass und die Kameraden im Bunker warten auf Ablösung. Schicken Sie mir Hauptmann Raabe ans Tor und die Welt ist wieder in Ordnung. Ein Teil des Ablösepersonals war schon aus dem Buss getreten und neugierig wie sie waren, wollten sie wohl alles mitkriegen
Oberstleutnant Franckenberg sagte, dies gehe in Ordnung und ich brachte ihn ins Wachhaus.. Nachdem ich die Meute, in Zweierreihen durchs Tor abgefertigt hatte, ging ich ebenfalls ins Wachhaus. Die Wach Opas hatten ihm schon einen Kaffee gegeben. Ich fragte die Wach Opas, ob meine Kameraden auch einen Kaffee bekämen und legte 20 Mark für die Kaffeekasse hin, worauf der Oberstleutnant gleich 10 Mark drauflegte – die 20 Mark gaben mir die Wach Opas später wieder zurück, die 10 Mark vom Oberstleutnant würden ihnen reichen und wie ich dem den Zehner aus der Tasche geluchst hatte war ihnen eine Freude.
Anschließend rief ich die Telefonnummer des Wachgebäudes Bunker an und bat Hauptmann Raabe ausfindig zu machen.
Nach 5 Minuten rief ich die Kantine an und fragte nach Hauptmann Raabe oder Oberfeldwebel Reitenberger, dieser rief die beiden aus, doch keine Antwort.
Der Oberstleutnant rief seine Sekretärin in der Kaserne an und erklärte ihr, wo er seinen Ausweis vermutete, dieser sollte durch den KvD gebracht werden.
Ich machte meine Runde und ging die Gefechtsstände ab, als ich zurückkam, unterhielten wir uns noch. Ihm war aufgefallen, dass wir wohl alle bis auf die Unterhose durchnässt waren.. Ich erklärte ihm, dass mein Parka und meine Kleidung aus Aurich auf dem neusten Stand und imprägniert wären, ebenso der Drillich von mir ständig nachimprägniert wird, die Kleidung der Rekruten aber nicht.
Nachdem der KvD mit Ausweis eintraf, begleitete ich den Oberstleutnant zum Bunker, am Feuerwehrhaus machten wir noch halt und er unterhielt sich mit den Rekruten, die Patrouille liefen und unter dem Vordach des Feuerwehrhauses Schutz gesucht hatten..
15 Minuten später kam er wieder mit Hauptmann Raabe aus dem Bunker heraus und erklärte die Übung als beendet, es werde aus Siegen Bekleidung zum Wechseln eintreffen und die gesamte Kompanie könnte nach eintreffen in der Kaserne ins Wochenende gehen.
Er bedankte sich noch für meine Courage.
Hauptmann Raabe war etwas angepisst und erklärte der gesamten Kompanie in der Kaserne , da jetzt gerade Mittag wäre, sollen alle erst noch Essen fassen und können dann alle außer dem Stammpersonal nach Hause fahren, sogar die Wochenendbereitschaft. Inzwischen war strahlender Sonnenschein.
Dies gefiel dem Stammpersonal überhaupt nicht, in der Kantine wurde heiß diskutiert und man bat Stabsunteroffizier Ernst als Vertrauensmann, den Oberstleutnant um Aufklärung zu bitten. Ich muss dazu sagen dies kam nicht von mir, mir war es eigentlich gleich, ob ich um 13:30 Uhr oder um 18:00 Uhr isn Wochenende ging. Stuffz. Ernst war das unangenehm, er bat mich , da ich mich ja jetzt so gut mit dem Oberstleutnant verstehe, mit zu gehen. Wir gingen direkt von der Kantine zum Kommandeur und wurden sofort vorgelassen. Dieser informierte Hauptmann Raabe per Telefon, dass die gesamte Kompanie gemeint war, was er dann auch missmutig verkündete.
