Angriff auf den Bunker – von Martin Sonn
Im Quartal 3/75
hatte ich ein Erlebnis was eher einem Angriff auf den Bunker entsprach.
So gegen 9:00 Uhr wurde Nato-Alarm ausgelöst, im Zuge der Sicherung der Außenstationen musste ich mal wieder mit dem 1. Zug den Bunker beschützen. Feldwebel Reitenberger übernahm das Bunker Wachgebäude (diesmal nicht die Kantine) und ich und ein anderer Unteroffizier das Tor und die Kampfstände. Wir waren mit leichten Kampfgepäck, G3, Platzpatronen, Ferngläsern und ich und Reitenberger mit einer Uzzi. ausgerüstet.
Um 10:00 Uhr, wir hatten es uns gerade gemütlich gemacht, machte ich eine Runde. Rekruten aus dem ersten Kampfstand vom Tor ausgesehen, machten mir eine Meldung über feindliche Truppenbewegungen am Waldrand. Der Wald, der die Straße zum Bunkereingang säumte. 60-80 Meter vom Zaun. Konnte dort ein Dutzend Männer in Tarnkleidung ausmachen, alle liegend und ohne Fernglas kaum zu sehen.
Sofort informierte ich Feldwebel Reitenberger, dass ein Angriff bevorstände. Dann inspizierte ich die anderen Kampfstände, dort war freies Feld und keine Aktivitäten sichtbar. Daher zog ich von den Kampfständen je 1. Mann ab und machte mich mit 6 Mann querfeldein zurück, etwas hinter dem Feuerwehrhaus.
Am Feuerwehrhaus hatte sich schon Feldwebel Reitenberger mit 4 Mann postiert. Als ich Fw. Reitenberger die Situation erklärte, merkten die Angreifer, dass sie entdeckt worden waren und stürmten mit 8 Mann und Geschrei auf den Zaun zu, etwa zwischen ersten und zweiten Kampfstand.
Eilte mit meinen 6 Mann hin, aus dem Torwachgebäude kamen nochmals 4 Mann hinzu. Als die Angreifer etwa 15-20 Meter vor dem Zaun waren, befahl ich zu feuern, doch die Angreifer waren wohl unverwundbar. 4 Angreifer schmissen grüne Schoner auf den Zaun und 2 Mann überwanden den Zaun, je ein Mann machte Räuberleiter.
Wir hatten in unseren Zug einen Rekruten, die Deutscher Judomeister war und ich konnte Taekwondo. Den ersten der Angreifer auf unseren Gelände übernahm ich und ging nicht zimperlich mit den um, den zweiten unser Judomeister( ohne dass ich etwas befohlen hatten). Inzwischen waren die anderen 2 Angreifer auch über den Zaun, doch alle Angreifer ergaben sich und alle Angreifer hielten die Hände hoch.
Plötzlich stand auf einmal ein Colonel (Holländer, Belgier oder Franzose?) hinter mir, kam aus dem Bunker, gab sich als NATO Beobachter aus und erklärte mir, dass die Angreifer belgische Fallschirmspringer seien und uns testen wollten. Er notierte sich meinen Namen und befahl mir, die 4 Angreifer über das Tor hinauszubegleiten. Diese entwirrten ihre Matrazenschoner aus den S-Draht und verabschieden sich. Habe mich bei den Angreifer für meine harten Maßnahmen entschuldigt und noch gefrag,t warum sie auf unsere Schüsse nicht reagiert hatten. Keine Antwort, vermutlich hatten sie mich überhaupt nicht verstanden.
Doch wenn ihr glaubt die Geschichte ist schon zu Ende, nein ist sie nicht.
Eine Stunde später hörten wir Tatü Tata, die Feuerwehr ist da. Ein Feuerwehrfahrzeug kommt die Straße hoch. Da dachte ich sofort an mein 1.Hilfe Dilemma – siehe andere Anekdote „Trau, schau,wem..“ – und rief sofort Fw. Reitenberger an, ob ihm etwas über einem Brand gemeldet worden war und wie ich mich verhalten soll, natürlich Fehlanzeige. Ich forderte Verstärkung an.
Inzwischen stand das Löschfahrzeug am Tor und hupte wie wild, zusätzlich zum Martinshorn. Als die Verstärkung eintraf machte ich das kleine Tor auf und umzingelte das Fahrzeug mit 8 Mann und befahl dem Fahrer, das Martinshorn abzustellen. Er kam dem nach und öffnete halb das Fenster.
Da ich mit 189,5 m über das Trittbrett der Fahrzeuges schon eine gute Sicht hatte, inspizierte ich den Innenraum und die Aufbauten. Auf dem Trittbrett bemerkte ich vom Fahrer über den Kopf und ddie Augen ein leichtes Zeichen, dass hinter ihm etwas sei. Dort befanden sich in einer Art Fahrerkabine zwei bekannte belgische Fallschirmspringer und die waren nicht alleine. Der Fahrer machte sich über das Lenkrad gebeugt klein, sofort gab ich Alarm und zielte auf die Beiden. In weiteren Verstecken am und im Fahrzeug holten wir noch 6 weitere Belgier heraus. Teilweise so eingepfercht, dass sie gar nicht alleine heraus gekommen wären, z.B. Deckel mit Fallverschlüssen, die eingerastet waren oder so enge Kästen, dass sie sich nicht mehr bewegen konnten.
Wieder tauchte der Beobachter auf und musste grinsen, als wir die Belgier regelrecht befreit hatten.
Wir blieben noch über Nacht, bevor zum nächsten Morgen gegen 6:00 Uhr der Alarm beendet wurde, die Rekruten waren von dem Cowboy und Indianer-Spiel begeistert und nahmen an, dass in der Nacht noch etwas passiert. Daher waren sie hoch konzentriert, durften dann auch meine Uzzi putzen, kloppten sich förmlich darum.
Für die ganze Aktion bekam ich dann 3 Tage Sonderurlaub, kamen von meinen neuen Freund Oberstleutnant Franckenberg.
