Osterfeuer in Gefahr – von Eckhard Rimkus

Am 23.03.1975,

kurz nach der Einnahme des morgentlichen Frühstücks in der Kantine der Hachenberg Kaserne, kam es zu einer Alarmübung für den Stamm der Innendienstsoldaten. Als besonders ausgesuchte Späher und Luftraumbeobachter wurde die Truppe von HFw Czapalla in der Kaserne und im weiteren Umkreis von Erndtebrück an strategisch exponierten Stellen durch den Fahrdienst verbracht. Dort sollte nach verdächtigen Luftraumbewegungen Ausschau gehalten und mittels der neu angeschafften Funkgeräte der Fa. Loewe Meldung an den Verbindungssoldaten Gefr. Arthur Dippel gemacht werden.

Begeistert von der Idee eines Ehemaligentreffens fanden sich in der Folge weitere Kameraden, die nach ihrer Dienstzeit noch Verbindungen, Freundschaften, z.T. berufliche Kontakte zu ehemaligen Kameraden hatten, so dass mit deren Unterstützung und intensiven Recherchen durch Heinz-Wilhelm u.a. bei örtlichen Einwohnermeldeämtern eine stattliche Such- und Anschriftenliste zusammen kam.

Auf Anfrage meldeten sich dann viele interessierte Kameraden mit einer Anmeldung zurück, so dass eine stolze Anzahl von insgesamt 47 Teilnehmern zum 1. Ehemaligentreffen der 20./TSLw erschienen waren.

In Vorfreude auf diese Zusammenkunft ließ es sich Wolfgang Stock natürlich nicht nehmen im Rahmen der Lage und des Auftrages einen militärischen korrekten Dienstplan (für Zivilisten: ein Programm) für die zwei Tage des Treffens zu erstellen.

Der Gefr. Dippel bekam seine Stellung auf dem Dach von Block 42 und hielt, wie Hans Guck in die Luft, Ausschau nach verdächtigen Flugbewegungen und eventuell eintreffenden Funkwellen.

Der Rest der Truppe wurde dann im Umland verteilt. Flg. Rolf Erzner und ich, OGUA Rimkus wurden auf einen Hügel nahe der Ortschaft Aue verfrachtet um dort Wache zu halten. Leider zeigte sich schon bei dem ersten durchgeführten Meldeversuch, dass wir mit Niemanden Konkakt bekamen. Im Nachhinein wurde festgestellt, dass die Funkgeräte eine maximale Reichweite von 9 km hatten.

Oben auf der Bergkuppe in etwa 550 mtr. Höhe pfiff der Westerwälder Wind besonders laut und brachte zudem eine Eiseskälte mit.

Da uns vorher nicht mitgeteilt wurde wo wir uns befanden und unsere Funksprüche ungehört in den Weiten des Wittgensteiner Landes verhallten, blieb uns nichts weiter übrig, als im Sturm auszuharren und auf das Ende der Übung (Abholung durch den Fahrdienst) zu warten.

Das Wittgensteiner Urvolk hatte auf dem Hügel in Erwartung des nahenden Osterfestes einen riesigen Reisighaufen angesammelt der in nahender Zukunft sein Ende als Osterfeuer finden sollte. Hinter diesem Haufen suchten wir Schutz vor dem Wind.

Die Dämmerung kam früh zu dieser Jahreszeit, kroch über die Kuppen des Berglandes und brachte noch mehr Kälte mit. Ausgehungert und durstig entschlossen wir uns nun ein Lagerfeuer zu machen um wenigsten unsere Körper ein wenig zu erwärmen. Aus dem Riesenhaufen wurde Holz und Reisig zu einem Lagerfeuer zusammengetragen und entzündet. Natürlich entwickelte das nasse Holz eine Rauchfahne und der Schein der Flammen war bis ins Siegerland zu sehen.

Es dauerte dementsprechend nicht lange, bis sich ein Fahrzeug den Berg herauf quälte, vor dem Reisighaufen anhielt und einen bewaffneten Wittgensteiner Jagdgenossen ausspie.Nachdem er festgestellt hatte, dass sein Haufen unversehrt und nicht abgefackelt war kamen seine Fragen.: Wer seid Ihr. wo kommt ihr her, wie lange bleibt ihr ,habt ihr was gegessen?

Höflich wie wir nach 10 Std. in der Kälte noch waren gaben wir Auskunft über uns und nach dem Sinn des Lebens. Er bestieg sein Auto und fuhr den Berg wieder hinunter. Nach ca. 30 Minuten dackelten zwei 10-12 jährige Kinder mit einem Korb den Hügel herauf und stellten diesen vor uns hin. Dann dackelten sie wieder davon.

Was war mit dem Korb? Die Inspektion ergab: Belegte Butterbrote, Fleischwurst, Frikadellen und eine große Thermoskanne mit heißem Tee. Göttlich! Nachdem wir uns gestärkt hatten und es schon ziemlich dunkel war entschied ich mich, den Korb in das Dorf zurückzubringen und nach einem Telefon zu suchen – Handys sollten erst Jahrzehnte später erfunden werden.

Flg. Erzner bewachte in der Zeit unser kleines Feuer und die Ausrüstung. Im Landgasthof Alt-Aue konnte ich den Korb zurückgeben, bedankte mich noch einmal für Speis und Trank und ich durfte auch das Telefon benutzen um in der Kaserne anzurufen. Dort erreichte ich den UVD der 20. und fragte nach, wann denn die Übung beendet sein wird. Er war sehr erstaunt, als ich Ihm sagte wir würden auf dem Berg bei Aue stehen, könnten aber keine Flugbewegungen mehr sehen geschweige denn sie melden. Ob seiner Antwort war ich dann sehr erstaunt zu hören, dass die Übung bereits gegen Mittag beendet war.

Er versprach sich um ein Fahrzeug zu kümmern und uns im Alt-Aue abholen zu lassen. Ich bin dann wieder den Berg hoch. Erzner und ich löschten das Feuer und machten uns mit der Ausrüstung ins Tal um im Alt-Aue ein Bier zu trinken und auf den Fahrdienst zu warten.

Mir ist leider nicht mehr bekannt ob HFw Czapalla uns den 3/4 Tag hat nachdienen lassen.

Loewe Teleport VI
Gefr.Arthur Dippel