1. Treffen im Jahr 2000 – Erndtebrück
zur Vervollständigung der „Berichterstattung“ über unsere Ehemaligentreffen hat mich unser Initiator der Treffen, Heinz-Wilhelm Jankord gebeten, eine Erzählung über das erste Ehemaligentreffen im Jahr 2000 niederzuschreiben.
Zwischenzeitlich sind seit dem Treffen 23 Jahre vergangen, so dass Eindrücke und Erlebnisse naturgemäß bzw. altersgemäß 😉 etwas verblasst sind. Anhand von noch vorhandenen Fotos und Schriftstücken sowie Erinnerungen von damaligen Teilnehmern werde ich nunmehr versuchen, die mir zur Verfügung stehenden Informationen und Erinnerungen zusammen zu fassen.
Beginnen möchte ich mit den Worten von Heinz Wilhelm, die er in der Fotogalerie zum 1. Treffen niedergeschrieben hat:
„Im Jahr 2000 hatte ich, aktiv im Dienst von Juli 1974 bis Ende September 1976, die Idee zu einem Wiedersehen alter Kameraden aus dieser Zeit. Das Jahr 2000 bot sich an aufgrund einer einfachen „Rechnung“: Meine „Hauptdienstzeit“ war 1975, somit war im Jahr 2000 das 25-jährige Jubiläum – allemal ein Grund, sich auf die Suche nach ehemaligen Kameraden zu machen.“ (Mehr von den Schwierigkeiten damals gibt es HIER.)
Bei seiner Suche traf er unter anderem auf den ehemaligen Kameraden und Freund Wolfgang Stock, der für diese Idee sofort Feuer und Flamme war. Da Wolfgang auch nach seiner aktiven Dienstzeit in der 20. Kompanie in den Folgejahren eine ungestillte starke Sehnsucht nach dem militärischen Drill in der Truppe hatte, gab er diesem Verlangen in diversen Wehrübungen nach. Hierdurch bedingt hatte er noch ein ausgeprägtes, strukturiertes militärisches Denken, was ihn zur Erstellung und Ausgabe nachfolgender Lage und des daraus resultierenden Auftrags in Zusammenarbeit mit Heinz-Wilhelm veranlasste:
Begeistert von der Idee eines Ehemaligentreffens fanden sich in der Folge weitere Kameraden, die nach ihrer Dienstzeit noch Verbindungen, Freundschaften, z.T. berufliche Kontakte zu ehemaligen Kameraden hatten, so dass mit deren Unterstützung und intensiven Recherchen durch Heinz-Wilhelm u.a. bei örtlichen Einwohnermeldeämtern eine stattliche Such- und Anschriftenliste zusammen kam.
Auf Anfrage meldeten sich dann viele interessierte Kameraden mit einer Anmeldung zurück, so dass eine stolze Anzahl von insgesamt 47 Teilnehmern zum 1. Ehemaligentreffen der 20./TSLw erschienen waren.
In Vorfreude auf diese Zusammenkunft ließ es sich Wolfgang Stock natürlich nicht nehmen im Rahmen der Lage und des Auftrages einen militärischen korrekten Dienstplan (für Zivilisten: ein Programm) für die zwei Tage des Treffens zu erstellen.
Nach Rücksprache der Organisatoren des Treffens mit den Verantwortlichen in der Hachenberg-Kaserne stimmten diese zu, dass das Treffen innerhalb der Kaserne stattfinden konnte. Es wurde im Weiteren genehmigt, dass im ehemaligen Block 14 und im Feldwebelwohnheim Schlafplätze zur Verfügung standen. Somit konnte die ganze Truppe das Treffen in der Kaserne veranstalten und dort auch übernachten. Dafür noch mal vielen Dank an die Verantwortlichen und insbesondere an Oberleutnant Dietrich und sein Team als Mitorganisatoren und Ansprechpartner.
Um einen organisierten militärischen Einmarsch mittels MotMarsch in die Kaserne zu gewährleisten, wurde das Rudel an „Nunmehr Zivilisten“ am Samstagmorgen zwischen 10:00 und 11:00 Uhr Alpha- Zeit am Gasthaus Müller „eingesammelt“ und mit Mettbrötchen versorgt.
Das Gasthaus Müller, eine Lokalität, die immer gerne und besonders gerne während unserer aktiven Dienstzeit besucht wurde, wenn das Essen in der Truppenküche mal wieder nicht dem persönlichen Geschmack entsprach; so Heinz-Wilhelm in seinen Erinnerungen.
Insbesondere erinnere ich mich selbst an die schmackhafte heiße Fleischwurst mit Kartoffelsalat und einem frisch gezapften „Irle“ Pils dort in vielen Mittagspausen.
Nach Ankunft in der Kaserne erfolgte die Begrüßung der Teilnehmer und die Quartierzuweisung durch den Oberleutnant Dietrich.
Als die Stuben bezogen und die Betten in vorgeschriebener Art nach Zentraler Dienstvorschrift (ZDV) gebaut waren, -siehe Bild – versammelte sich die Truppe auf dem Antrete-Platz vor Block 14, um die Einweisung in die oben abgebildete Lage zu erhalten.
Im Anschluss daran wurde die Kaserne durch das Waldlauftor als lockerer Haufen verlassen, um auf dem Höhenweg dann die Höhe 599 zu erklimmen.
Entgegen den Planungen im Dienstplan wurde wetterbedingt auf ein Grillen an der Höhe 599 verzichtet.
Dieses wurde kurzfristig im Anschluss an den Waldspaziergang auf die Fläche vor Block 14 verlegt. So wurde der Aufenthalt auf der Höhe 599 zum Wiedererkennen und für Gespräche bei flüssiger Marschverpflegung aus Krombach genutzt.
Nach der Rückkehr in die Kaserne wurden bei einem oder mehreren leckeren Bierchen und Grillwürstchen vor Block 14 weiter intensiv Erinnerungen und Dönekes ausgetauscht. Dabei wurde manches mitgebrachte Fotoalbum aufgeklappt und die Bilder bestaunt. Plötzlich kamen dabei wieder Erinnerungen hervor, die viele Jahre im Gedächtnis „verschollen“ waren.
Nachdem Hunger und Durst gestillt waren, erfolgte dann unter der Führung von Bruno Schüller eine kurzfristig organisierte Besichtigung der „Ausweich-Operation Hall (OPS)“ im alten Kompanielehrsaal des ehemaligen Lehrsaalgebäudes. Die im Dienstplan vorgesehene „Seightseeingtour“ mit Y-Reisen zu den Objektstellungen war leider ausgefallen.
Da wir nun mehr Zivilisten waren, erfolgte durch Bruno vor dem Lehrsaalgebäude eine Einweisung und Verhaltensbelehrung.
Der ehemalige N.A.T.O. Gefechtsführungsbunker „Erich“ wurde ja aus Brandschutzgründen stillgelegt. Der Einsatz- und Ausbildungsbetrieb war im August 1998 in Räumlichkeiten der Hachenberg- Kaserne und der Radargerätestellung verlagert werden. Seitdem wurde die NATO- integrierte Luftverteidigung mit modernen Rechnern und dem Programmierzentrum der Luftwaffe für Luftverteidigung weiterentwickelten Luftlageerarbeitungssystem ARKONA aus dem ehemaligen Hörsaalgebäude sichergestellt.
Wer sich noch an die „Räumlichkeiten“ des alten Bunkers Erich erinnert, erinnert sich an ein mehrstöckiges unterirdisches Gebäude, in dem sich neben der OPS ein Stockwerk tiefer auch die EDV-Abteilung befand. Betrat man dort die Räumlichkeiten, erblickte man eine Vielzahl von Computerschränken in den hunderte von Lämpchen blinkten und ständig Magnetbänder surrten.
Im ehemaligen Kompanielehrsaal waren nunmehr nur noch einige Tische im Karree aufgebaut. Darauf standen mehrere Personal Computer mit den dazugehörenden Monitoren; das war‘s. Durch die rasante technische Entwicklung im IT-Bereich war es beeindruckend möglich geworden, EDV-Komponenten, die noch vor einigen Jahren in mehreren Stockwerken im Bunker Erich untergebracht werden mussten, leistungsstärker, in einem Raum aufzustellen und eine Luftlageerstellung und die dazu gehörenden Luftverteidigungskomponenten, wie aus einem großen Wohnzimmer zu betreiben.
Zu unserer Dienstzeit wurden die Soldaten der Luftwaffe oft als Wohnzimmersoldaten beschrieben, hier bekam die Bezeichnung sarkastisch und scherzhaft beschrieben jetzt einen gewissen Hintergrund (😊).
Zusatzinformation:
Der Bunker Erich wurde im Frühjahr 2023 durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Denkmal eingestuft; siehe auch für weitere Informationen HIER.
Der Einsatzführungsbereich 2 mit dem zugehörigen Control and Reporting Centre (CRC) wird heutzutage aus dem hochmodernen ECM-gehärteten oberirdischen Einsatzgebäude im Bereich der Hachenberg-Kaserne geführt, wie wir bei der Besichtigung am Tag der offenen Tür im Jahre 2015 feststellen konnten.
Aber nun zurück zum Ehemaligentreffen:
Das Motto des Themenabends, der in der Mannschaftskantine stattfand, lautete „Alte Zeiten-Neue Zeiten“. Hier wurde über das frisch Erlebte und über Erinnerungen aus den „guten alten Zeiten“ gesprochen und gefachsimpelt. So war das Motto des Abends hinreichend gewürdigt.
Zur Erinnerung an die alten Zeiten wurde auch im Rahmen einer „Dia Show“ Bildmaterial aus dem Leben in der 20. gezeigt, eine Dia-Serie, welche der damalige Lt. Weichaus in 3. Quartal 1976 gefertigt hatte. Die Fotos kramten dann oft schon längst vergessene Erinnerungen aus dem Dienst und der Freizeit hervor; die dazugehörenden Kommentare und Erinnerungen führten vielfach zur allgemeinen Erheiterung der Kameraden.
Die ausgezeichnete Stimmung machte den Abend zu einem Erlebnis, der den Teilnehmern dauerhaft in Erinnerung bleiben wird.
Nachdem die Nacht, auch in den 6-Bett Zimmern in Block 14, schadlos überstanden worden war, erfolgte das allgemeine Debriefing, unterstützt mit einem leckeren Frühstück, wiederum in der Mannschaftskantine.
Unser ehemaliger Kompaniechef Eberhard Raabe ergriff dann das Wort und dankte den Organisatoren im Namen aller Teilnehmer für ihren Einsatz und den Anwesenden für ihr Erscheinen.
In Gedenken an unseren ehemaligen Kameraden Rudi Altenähr, der vor diesem Treffen leider verstorben war, machten sich Eberhard Raabe und weitere Kameraden im Anschluss auf den Weg zum Friedhof in Hilchenbach-Lützel, um das Grab von Rudi zu besuchen.
Mit dem festen Willen, zukünftig weitere Treffen zu veranstalten, machten sich alle Teilnehmer durch das beschauliche Wittgensteiner Land auf den Heimweg.
Noch ein Hinweis: Die Fotos des Treffens in diesem Bericht wurden durch die Kameraden Andreas Kupka, Wolfgang Stock und Thomas Gittelbauer zur Verfügung gestellt.
Weitere Fotos sind in der Fotogalerie zu finden und zwar HIER…
Gruß
Werner

